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Bericht: Michael Brissenden, Heidi
Frank
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Prostituierte am Straßenrand - ein gewohnter
Anblick in Italiens Städten. Die meisten Frauen bieten ihren Körper aber
nicht freiwillig an.
Anna Maiskaya, Opfer
aus Moldawien Die italienischen Behörden wollen jetzt schärfer gegen den Menschenhandel vorgehen. In Italien sind Bordelle offiziell verboten, umso größer ist das Angebot auf der Strasse. Eine Folge davon - die Frauen sind ihren Zuhältern schutzlos ausgeliefert. Eine Razzia am Straßenstrich. Für die Polizei ist es nicht leicht an die Hinter- männer des Menschenhandels zu gelangen. Sie versuchen bei den einge- schüchterten und verängstigten Opfern der Zuhälter Informationen zu bekommen. Ein schwieriges und oft aussichtloses Unterfangen. "Komm... Bring sie her ..." "Beruhige Dich - beruhige Dich . Ich bin ein Freund." "Spricht Sie Englisch ?" "...okay ...gut ...Verstehst Du Italienisch?" "Sprich mit mir... Wir werden Dir nichts
tun, hab keine Angst, wir werden Dir nichts tun." Das Geschäft mit der Prostitution blüht,
allein in Italien werden jährlich Milliarden Euro mit dem käuflichen Sex
umgesetzt. Alleine in Italien sollen geschätzte 50 000
Frauen aus dem Ausland zur Prostitution gezwungen worden sein. "Ich bin aus Russland!" "Komm hierher... bitte... komm hierher ... hab keine Angst ." Wer ohne Papiere und Aufenthalts- genehmigung aufgegriffen wird, dem droht die Abschiebung. Zur Angst vor den Zuhältern kommt dann auch noch die Scham bei der Ankunft zu Hause. Die Razzien sind nur bedingt wirksam - die Mafia sorgt dafür, dass es nie an Nachschub mangelt. Und der kommt vor allem übers Meer. Nur wenige Dutzend Kilometer trennen den Süden Italiens von Albanien. Tausende Flüchtlinge versuchen hier über die Meer- enge nach Westeuropa zu gelangen - beinahe täglich werden von der Küsten- wache Kinder, Frauen und Männer aufgegriffen. Dieselbe Route benutzen aber auch die
albanischen Mafiosi, um Frauen ins Land zu schmuggeln. Sie nützen bewusst
die Tatsache aus, dass die Küstenwache schon mit dem Aufgreifen der
Flüchtlinge überfordert ist. Albanien ist vom Frauenhandel zweifach betroffen - als Drehscheibe zwischen Ost und West und als Heimatland vieler Opfer. Seit dem Zusammenbruch des Kommunis- mus floriert in Albanien nicht nur die religiöse Erneuerung sondern auch die Kriminalität. Eine Folge davon - die verschwundenen Mädchen und Frauen des Landes noch immer ein Tabuthema im drückend armen Balkan-Land. Viele junge Albanerinnen lassen sich von
verlockend klingenden Jobangeboten verführen und manche landen als
Prostituierte im Westen. Andere Frauen werden einfach entführt. Albaner Von den Behörden hat uns niemand geholfen oder unterstützt, auch die Polizei ist nicht auf unserer Seite. Die Familien fühlen sich hier nicht mehr sicher." In den letzten Jahren sollen auf diese Art
und Weise Hunderttausende albanische Frauen verschwunden sein. In vielen
Fällen agieren die Frauenhändler sogar im Einverständnis mit den
Angehörigen ihrer Opfer. Giuseppe Lanzi, Helfer Einmal war ich selbst dabei, als ein Mädchen verkauft wurde. Ich habe ver- sucht, den Eltern zu erklären, was mit ihrer Tochter passieren wird, aber sie haben mir das nicht geglaubt. Sie behaupteten steif und fest, dass das Mädchen nach Italien geht, um zu studieren." "Wurde Geld bezahlt?" "Ja - zweihundert Dollar, das ist nichts - ich kann mir das nur mit der Verzweiflung der Menschen erklären." In vielen albanischen Dörfern stehen Kreuze für die Mädchen, die spurlos verschwunden sind. Mittlerweile arbeiten etliche Organisationen daran, darüber zu informieren, welche Zukunft der angeblich goldenen Westen den Frauen aus dem Osten oder vom Balkan tatsächlich bietet - ein Leben als Sklavin. Irena Vojackova-Solorano, IOM - Intern. Organisation für Migration Europaweit soll es rund eine halbe Million solcher "Sex Sklavinnen" geben. Irena Vojackova-Solorano, IOM - Intern. Organisation für Migration Nur in seltenen Fällen werden Frauen wie Anna aus Moldawien in ein Zeugenschutz- Programm aufgenommen. Das bewahrt sie mittelfristig zwar vor der Abschiebung, im Gegenzug aber erwarten die Behörden von ihnen Informationen über die Menschen- händler. Doch meistens wissen die Frauen nur wenig über die wirklichen Drahtzieher zu berichten. Anna Maiskaya, Opfer Armut, Unterdrückung und Gewalt sind die
Gründe dafür, warum Frauen aus Ost- europa ihre Länder verlassen, Warnungen
in den Wind schlagen und ihr Schicksal in die Hände von Kriminellen legen. |